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David Schleif Interview (ALPHA TIGER)

david alphaHi David, wie geht´s dir derzeit?

Danke, ganz gut! Wie fast jeder Musiker, leide ich zwar an chronischem Geldmangel, aber so läuft nun mal das Business. Hauptsache die, die alles haben, bekommen noch mehr… Ja aber sonst kann ich mich eigentlich nicht beschweren, ich hab eine super Familie, tolle Freunde und eine wundervolle Dame an meiner Seite. Über mangelnde Unterstützung kann ich mich denke ich nicht beschweren und solange alles mit ein wenig Musik unterlegt ist, bin ich zufrieden.

Ihr habt mit Alpha Tiger vor kurzem einen neuen Sänger im Bunde. Nun, wo ihr wieder vollständig seid, geht es bestimmt wieder auf Tour. Was ist geplant bei euch?

Das stimmt! Benjamin ist der neue im Bunde und wir sind alle ziemlich froh, dass die lange Suche nun ein Ende hatte. Er kommt, trotz verhältnismäßig wenig Bühnenerfahrung, stimmlich sehr nah an Stephan ran und ist zumal auch ein supernetter Typ! Am 25.9. kann man ihn das erste Mal live zu hören bekommen und zwar nirgendwo anders als in der Scheune (Dresden). Außerdem steht eine Co-Headliner-Tour zusammen mit Battlebeast aus Finnland von Mitte November bis Mitte Dezember an, die quer durch Europa verlaufen wird und mit Sicherheit nicht nur für ihn eine Herausforderung darstellt. In dieser Größenordung ist das für uns alle in der Band neu. Es sind sogar für nächstes Jahr Konzerte in Mittelamerika im Gespräch, aber dazu kann ich derzeit noch nicht viel sagen, weil das alles noch in der Planungsphase steckt. Und da es dieses Jahr wegen fehlenden Vocals ziemlich mau aussah, was Festivals angeht, hoffen wir außerdem, dass wir nächstes Jahr im Sommer dahingehend auch wieder etwas präsenter sind.

Spielst du noch in anderen Bands?

Ich spiele seit 2006 noch Schlagzeug in der Hardcore-Punk-Band “Therapie Zwecklos” und ebenfalls seit 2006 Bass in einer Spaßcombo und selbsternannten Gleich-Core-Band mit dem tollen Namen “The Brathering”. Bis zur Auflösung 2011 habe ich auch noch bei “Painful Existence” die Stöcke geschwungen. Außerdem möchte ich an dieser Stelle meine Kollegen von “SHE HULK” grüßen!
Es ist ja kein Geheimnis, dass unser Gitarrist Peter Langforth zu all unseren bisherigen Songs die Melodien geschrieben und die Texte verfasst hat und das ist auch gut so, denn viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei und ich habe eingesehen, dass sich meine eigenen Songideen eher nicht mit diesem Projekt verwirklichen lassen können. Bei “Therapie Zwecklos” sieht das etwas anders aus, da entstehen die Lieder noch im Proberaum und nicht am PC. Nicht dass man damit mehr erreicht, ich schreib ja selber meine eigenen Lieder fast auschließlich am PC, aber so ist jeder einzelne irgendwie mehr involviert im ganzen Songwritingprozess. Aber das soll jetzt auch nicht so klingen, als wäre ich nicht mit Herz und Seele bei Alpha Tiger dabei, denn das bin ich voll und ganz!

david alpha3Wie schaut dein Drummer-Alltag aus?

Das ist eine gemeine Frage :D Ich gehe in Teilzeit arbeiten, d.h. nicht jeden Tag… und so kann es auch schonmal vorkommen, dass ich bis in die Puppen schlafe und dann den restlichen Tag auch nichts weiter mache, als an irgendwelchen Songideen herumzubasteln, Filme und Serien zu schauen, Musik zu hören und Abends zu proben oder mit Freunden unterwegs zu sein. Ich denke, da kann man nicht direkt von einem “Drummer-Alltag” sprechen… Zuhause spiele ich auch wenn dann Bass oder Gitarre, oder klimper amateurhaft auf meiner Heimorgel herum, weil ich da leider kein Schlagzeug habe, das steht im Proberaum.

Was war dein damaliges Schlüsselerlebnis, wo du merktest, dass das Drumming genau dein Ding ist?

Es war weniger ein Schlüsselerlebnis, als eine Wahl. Ich bin in einer Familie mit hohem Musikverständnis und einer Affinität zu guter handgemachter Musik aufgewachsen (Queen, E.L.O., Pink Floyd,…). Schon als Kleinkind hab ich immer gern die akustische Klampfe meiner Eltern in die Hand genommen und den Hausfrieden gestört. 1996, als ich noch nicht ganz 8 Jahre alt war und in die zweite Klasse kam, boten mir meine Eltern dann an, doch ein Instrument zu lernen. Aber Keyboard oder Akkordeon oder so etwas waren nix für mich, da hab ich mich für das Schlagzeug entschieden und ich habe zu keiner Sekunde bisher diese Entscheidung bereut! 9 Jahre hatte ich den wohl besten Schlagzeuglehrer, den ich mir vorstellen konnte in Blues- Jazz- und Technikgrundlagen (R.I.P.)… Ab 2001 fing ich auch an, mehr bandorientiert zu spielen und habe mich mit Freunden regelmäßig in einem Proberaum getroffen und gezockt. Ja, ab da nahm alles irgendwie seinen Lauf.

Wie ist deine Meinung zu Spotify und co.? Kaufst du dir selber noch CDs original oder reichen mp3s?

Ich besitze kein Spotify! Zwar lass ich mir gerne mal etwas von Last.fm empfehlen, aber ich habe, wie ich finde, eine vernünftige Sammlung an analogen und digitalen Tonträgern. Vor ein paar Jahren habe ich mir einen Plattenspieler zugelegt, der auch fleißig zu tun hat. Wenn mir etwas richtig gut gefällt, lege ich auch Wert drauf, es in haptischer Form im Regal stehen zu haben, Vinyl, sowie CDs. Denn in meiner mp3-Sammlung kann ich weder in Booklets stöbern, noch aufwendig verarbeitete Cover-Artworks begutachten. Aber unterwegs höre ich dann doch meist Musik über mein Handy oder mp3-Player (schon aus dem Grund, weil sich alle meine Disk- und Walkmans über die Jahre verabschiedet haben).

david alpha2Es heißt, wer gut klingt, kann sich erlauben weniger zu können? Fallen dir zu dieser Aussage Beispiele ein?

Ein Freund von mir hat auch mal gesagt: “Gut geposed ist halb gespielt!” (aber das mehr im Witz)… Naja, wie definiert man einen guten Klang? Dieser hängt ja, zumindest bei Konzerten, im wesentlichen vom Können des Tontechnikers ab und zum anderen von dem bespielten Equipment. Wer mit völlig zerrissenen Becken und Fellen spielt, braucht nicht erwarten, einen Bombensound damit zu erzielen. Und Tontechniker sind ja die größten Schlazeugkritiker überhaupt! Wie oft ich schon sowas gehört hab wie: “Wer braucht denn so viele Toms oder Becken? Das ist doch nur Gemache…! oder “Ein richtiger Schlagzeuger kann auf jedem noch so kleinem Set spielen…” usw… Ich muss ganz ehrlich sagen, solche neunmalklugen Kommentare hängen mir zum Hals raus. Ich sag denen doch auch nicht, wie sie ihrem Job zu machen haben, bloß weil manche zu faul sind, ein paar Mikros mehr anzuklemmen. Egal, ich schweife ab… Ich habe Schlagzeuger gesehen, die aus einer Trommel eine Wahnsinnsshow zaubern und andere, die man hinter ihrem Schrein vor lauter Zeug gar nicht mehr sehen kann, aber nicht einmal die Hälfte davon zum Einsatz bringen. Man sollte ein gutes Gleichgewicht finden aus dem, was man kann und dem, was man zur Verfügung stehen hat. Meiner Meinung nach nützt es nichts, wenn man, kurz nachdem man angefangen hat, Schlagzeug zu spielen, sich alles mögliche dazukauft, um möglichst pompös zu wirken, aber dann im Endeffekt am Reizüberfluss der anspielbaren Möglichkeiten unterzugehen. Mein Set war ja auch nicht von Anfang an so groß wie es jetzt ist, sondern ich hab mir gut überlegt, wann ich mir etwas dazuleiste. Ich hab z.B auch schon immer mehr Wert auf technische Sicherheit, als auf Schnelligkeit gelegt. Deine Frage habe ich jetzt aber glaube ich nur zum Teil beantwortet… Ich will dennoch eigentlich keine Beispiele nennen, weil ich ja weder jemanden schlecht dastehen lassen will, noch anderen die Motivation nehmen möchte. Ich kann nur einen Tipp geben, der wäre, sich immer genug Zeit zu nehmen, nichts zu überstürzen und erstmal technische Sicherheit vor Schnelligkeit und auch Equipmentüberschuss zu setzen.

Was sind deine derzeitigen Hauptinspiratiosquellen?

Es kommt immer darauf an, welche Inspiration ich gerade brauche. Wenn ich mal so richtig abgehen will, höre ich mir unter anderem sehr gerne die Japanischen Kampfhörspiele an – um mir allerdings Inspiration für mein eigenes Drumming zu holen, höre ich mir sehr viel alte und progressive Musik an. Mein absoluter Lieblingsdrummer ist Gavin Harrison (Porcupine Tree, King Crimson). Nach 2 öffentlichen Workshops mit ihm, bin ich um so viel Erfahrung reicher, weil er es auch schafft, alles sehr verständlich zu erklären und kaum offene Fragen zu Rhythmik und Metrik zu hinterlassen. Aber als Schlagzeuger sollte man um Neil Peart (Rush) nicht herum kommen, diese verdammte Maschine!

Was macht für dich einen fetten und authentischen Groove aus?

Die einfachsten Beats und Grooves sind oftmals die besten und einprägsamsten, AC/DC zum Beispiel sind nicht ohne Grund so populär. Ich mache mir nicht wirklich viel aus Breakdowns/Beatdowns, oder wie man die Passagen in Metalcore/Deathcore nennt… Ein fetter authentischer Groove sollte in meinen Augen zwar erstmal sauber und straight gespielt sein, gleichzeitig aber genug nötigen Freiraum bieten, die eigene Spielweise, z.B. durch passende Fills, zum Ausdruck zu bringen, ohne verkrampft zu wirken.

david4Was ist deine persönliche Definition von Rock´n´Roll?

Tja, damit fing die moderne Rebellion der Musiker damals an oder? :D Ich glaube, dafür gibt es keine direkte Definition, sondern es ist einfach eine individuelle Einstellung, die man hat, um in der jeweiligen Musikwelt zu bestehen. Man will ja auf irgendeine Art und Weise auffallen, ob nun akustisch oder optisch. Oder zumindest möchte man auf offene Ohren und Augen der Zuhörer und Zuschauer stoßen. Dazu muss man eben einen gewissen Grad an Rock´n´Roll in sich tragen und ihn leben. Für manche gehören Sex-, Alkohol- und Drogenexzesse dazu, für andere nicht. Ich persönlich bin wahrscheinlich noch in einer Art Selbstfindungsphase, in der ich erstmal vieles auf mich wirken lasse, mal abgesehen von harten Drogen, das können andere machen… Nach der Tour im November/Dezember können wir uns ja gerne nochmal unterhalten, da bin ich bestimmt um etwas Erfahrung reicher. :)

Was würdest du jüngeren Drummern mit auf den Weg geben, die drauf und dran sind, sich dem Heavy Metal Drumming zu widmen?

Es ist nicht nur ein Zeitvertreib, sondern man kann, wenn man will, komplett darin eintauchen. Das gilt auch nicht nur für Schlagzeuger, sondern für alle Instrumentalisten: Wer gerne Metal, Rock, usw hört und genug Geld hat um sich ein Instrument zu kaufen, nur um dann nach ein paar Jahren zu merken, dass es doch nicht das richtige ist und dann womöglich noch Bandkollegen, die es ernst meinen, durch einen plötzlichen Austritt aus der Band im Stich lässt, sollte es wahrscheinlich eher lassen. Wer mit Herz und Seele dabei ist und vor hat, mit Musik etwas zu erreichen, den sollten Rückschlage wie Geldmangel, vorrübergehende Antriebslosigkeit oder auch eine gescheiterte Beziehung nur ein größerer Ansporn sein, sich hinzusetzen und Musik zu machen! Für mich gibt es fast nichts besseres, als meine Erfahrungen, Emotionen oder auch ganz Alltägliches in Form von Musik zu verarbeiten. Was einen nicht umbringt, bringt einen dem Wahnsinn nur ein Stückchen näher ;)

Danke für das Interview! Die letzten Worte gehören dir:

Aber gerne doch, ich habe zu danken!
Dann viel Durchhaltevermögen an all die Leute da draußen, die es ernst meinen! :) Vielleicht sieht man sich ja mal auf einem unserer Konzerte, ich würde mich freuen!!!

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Autor: Ronny “Dr.Ronald W.” Garz

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