Sir G.

Die Apokalyptischen Reiter

Tobias Stein Interview (PLACENTA)

placenta4Hi Tobi,
eure letzte Scheibe “Missgunst und Neid” kam Dezember 2013 auf den Markt. Wann darf man sich auf neues Material von euch freuen?

Anfang Oktober veröffentlichen wir, anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Band, ein Best Of Album!

Ihr hebt euch musikalisch, als auch imagetechnisch vom Trendycore ab: deutsche Texte, organischer Sound usw. – ein sehr sympathisches Auftreten! Was hälst du von der Entwicklung der Metalcore/Deathcore-Szene?

Ich bin kein großer Fan der Entwicklung in den letzten Jahren. Stilistisch lockt mich da schon lange nichts mehr hinter dem Schrank hervor. Die allgemeine Digitalisierung der Aufnahmetechnik wirkt sich zum einen negativ auf die spielerische Qualität vieler junger Musiker aus und zum anderen wird sich immer weniger Mühe mit dem Sound gegeben, da es für alles Presets gibt, die die versauten Hörgewohnheiten bedienen. Ich hoffe, dass sich da in absehbarer Zeit ein Gegentrend entwickelt, wenn den Leuten der ewig gleiche pseudo-brutale Plastik-Metal aus den Ohren hängt.

Wenn ein Außerirdischer auf die Welt kommt und dich fragt, was Death Metal sei, was würdest du ihm antworten?

Das ist eine musik-gewordene Mischung aus Humor, Sarkasmus und Ironie.

placenta1Wie kann man sich den Songwritingprozess von Placenta vorstellen?

Ich habe Lust auf neue Musik oder bin inspiriert – dann fange ich an neues Zeug zu komponieren. Ich schmeiße dann die kleine Musikfabrik in meinem Kopf an und beschäftige mich in jeder freien Minute mit dem Ausarbeiten von Songideen. Im weiteren Verlauf nehme ich Demos von potentiellen Songs auf und präsentiere sie meinen Jungs.

Bist du noch in anderen Projekten tätig?

Ich habe noch eine Rock-Band namens “Musikcafe Karibik”. Das ist für mich ein Ausgleich zum Metal. Es macht viel Spaß, sich einfach der Musik hinzugeben, ohne den technischen Anspruch – außerdem fördert es die spieltechnische Variabilität.

Wie bist du damals zum Schlagzeugspielen gekommen? Was war dein Schlüsselerlebnis?

Ich habe schon als kleiner Junge mit den Stricknadeln meiner Mutter auf Kissen getrommelt. Allerdings wurde ich zunächst zum Klavierunterricht geschickt, was retrospektiv die beste Entscheidung für meine musikalische Ausbildung war. Auf dem Gymnasium gab es dann einen gut ausgestatteten Musikraum, in dem ich in den Hofpausen spielen durfte. Von da an gab es für mich nur noch Gitarre und Schlagzeug!

Hattest du jemals Schlagzeugunterricht?

Leider nicht. Ich bin kompletter Autodidakt. Des Öfteren bereue ich es, nicht im frühen Entwicklungsstadium gewisse technische Grundlagen mitbekommen zu haben. Das macht sich auf jeden Fall negativ bemerkbar. Obwohl ich glaube, dass ich sowieso keinen Bock auf Jazz und Rudiments gehabt hätte. Ich bin immer meinem Gefühl und meiner Begeisterung gefolgt und habe mein Niveau immer meinen Ansprüchen angepasst. Von daher bin ich ganz zufrieden.

Gibst du selber Schlagzeugunterricht?

Ich habe momentan zwei Schüler, denen ich versuche, ihre technischen Defizite spielerisch mit musikalischer Begeisterung auszugleichen.
Es ist mir sehr wichtig, dass dabei das Schlagzeug als kreatives musikalisches Element verstanden wird und nicht nur als Taktgeber. Außerdem lege ich viel Wert auf stilistische Vielfalt.

Was sind derzeit deine musikalischen Hauptinspirationsquellen?

Momentan bin ich da eher entspannt. Es gibt nichts, was mich derbe anfixt. Was das Angeht bin ich recht festgefahren in meinen musikalischen Vorbildern. Es gibt nur sehr wenig aktuelles, was mir etwas gibt. Ich orientiere mich oft eher daran, worauf ich spieltechnisch oder soundtechnisch Bock habe. Ein bisschen Rock, ein wenig Geknüppel… auf jeden Fall Kompromisslosigkeit. Ich mische was ich will.

placenta3Wie schaut deine Überoutine aus?

Ich versuche regelmäßig zweimal die Woche zu spielen. Zu Hause habe ich noch ein Kick/Snare Practice-Set für zwischendurch. Ich war noch nie ein besonders disziplinierter Über. Ich brauche immer ein konkretes Ziel, welches mich anfixt und wofür es sich lohnt, seine Zeit zu opfern. Beispielsweise ein neues Album mit Beats und Grooves, die ich noch nicht (recording-reif) spielen kann ;D

Was ist deine persönliche Definition von Groove?

Groove ist für mich ein fließender eingespielter Vorgang, der in sich so harmonisch ist, dass er eine Wirkung entwickelt, die über den eigentlichen Rhythmus hinaus geht.

Was sind derzeit deine meistgehörten Platten?

Die Demos vom neuen Musikcafe Karibik Album (welches ich momentan fertigstelle)
Queens of the Stoneage – Like Clockwork
Beatsteaks – Limbo Messiah

Was würdest du jüngeren Drummern mit auf den Weg geben, die das Extremedrumming (bsp: Death Metal Drumming) in ihr Repertoire mit aufnehmen möchten?

Sucht euch konkrete Vorbilder, an denen ihr euch orientieren könnt. Ansprüche langsam steigern – nicht gleich alles wollen.
Üben, üben, üben – mit Metronom! Es gibt im Netz haufenweise Anleitungen für diverse Spieltechniken. Lasst euch ruhig mal einen Rat geben von einem routinierten Death-Metal Drummer. Ich habe schon vielen Jungs sinnvolle Tipps bezüglich Stick-Technik oder Fußmaschinen-Einstellungen geben können.

Deine letzten Worte?

Es gibt nichts schöneres als Musik zu machen!

Wahre Worte! Vielen Dank für das Interview!

Danke!

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Autor: Ronny “Dr.Ronald W.” Garz

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