Hannes Großmann

Obscura

Moritz Schmidt Interview (THE HIRSCH EFFEKT)

10429850_954552111231847_8656540857692445198_nHallo Moritz,
wie geht es dir? Wie sind bis jetzt die Resonanzen auf euer neues Album “Holon:Agnosie”?

Mir geht’s blendend und das liegt auch an den überaus positiven Kritiken zum neuen Album! Von Fans und Freunden gab es eigentlich nur Lob; Visions, Laut.de, Metal Hammer und viele mehr gaben hohe Wertungen und dann waren wir auch noch in den Charts! Gut, dort waren wir nur eine Woche, aber als ich 2013 in die Band kam, habe ich mit so viel Erfolg nicht unbedingt gerechnet.

Ihr habt mit THE HIRSCH EFFEKT eine beachtliche Livepräsenz für dieses Jahr. Organisiert ihr vieles selbst oder arbeitet ihr mit Agenturen und Bands zusammen?

Bis 2014 organisierten wir tatsächlich vieles selbst. Seit diesem Jahr arbeiten wir mit einer neuen Bookingagentur zusammen, die uns viel Arbeit abnimmt und einfach auch andere Möglichkeiten hat.

Betreibst du die Musik hauptberuflich?

Auch wenn die Musik viel mehr als ein bloßes Hobby ist, habe ich sie nicht zu meinem Beruf gemacht. Ich bin eigentlich Biologe und mache gerade meinen Master im Bereich Biomedizin.

Wie bist du damals zum Schlagzeugspielen gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ich hatte von meinen Eltern zum zweiten Geburtstag eine Trommel geschenkt bekommen und die scheint mich irgendwie nachhaltig fasziniert zu haben. Nachdem ich dann in meiner Kindheit mehrere Blechdrums zertrommelt hatte, habe ich dann mit sieben Schlagzeugunterricht und kurz darauf ein Schlagzeug bekommen.

Gibst du selber Schlagzeugunterricht?

Nein

Wie kann man sich den Songwritingprozess bei THE HIRSCH EFFEKT vorstellen?

Vielleicht so nach dem Motto “alles kann, nichts muss”… DEN Songwritingprozess gibt es genau genommen nicht bei uns. Generell arbeiten wir aber viel mit Demos – oft schicken wir uns zu Hause aufgenommene Demos, die wir dann im Proberaum weiter ausbauen. Das geschieht dann des Öfteren nur zu zweit, bis der Song einigermaßen steht. Der dritte kann dann später nochmal unvoreingenommen an die Sache rangehen. Manche Songs entstehen aber auch mehr oder weniger im Alleingang. Oder von Anfang an zusammen im Proberaum. Oder ganz anders. Nur Ghostwriter hatten wir glaube ich noch nicht.

10645223_954555241231534_854194572203378403_nWie würdest du einem Außerirdischen eure Musik beschreiben?

Da wir vermutlich nicht dieselbe Sprache sprechen werden, ist es vermutlich einfacher die Musik direkt sprechen zu lassen – sollte es je eine Voyager 3 geben, werde ich auf jeden Fall versuchen einen Song von uns an Bord zu schmuggeln.

Was sind deine größten musikalischen Hauptinspirationsquellen für deinen derzeitigen Drumstyle?

Ich habe letztens mal wieder ein Album von Dream Theater gehört und dabei ist mir aufgefallen, dass ich gewisse Dinge oft ähnlich angehe wie Mike Portnoy damals. Das liegt vermutlich daran, dass ich vor 10-12 Jahren viel DT gehört habe und ich mich damals spieltechnisch Richtung Progressive entwickelte. Letztendlich fließt aber so gut wie alles irgendwie mit ein, was ich höre. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Drummern so ist, aber ich spiele die meisten Sachen, die ich höre auch gedanklich mit und das hinterlässt natürlich hier und da mal Spuren.

Bist du eher der Impro- oder der Notentyp?

Generell bin ich glaube ich eher der Improtyp, einfach weil ich schlecht im Notenlesen bin. Bei unserer Musik komme ich allerdings um die Noten nicht herum, gerade wenn es um das Bass-Drums-Zusammenspiel geht, oder einfach wenn man sich gegenseitig krumme Rhythmen beibringt.

Wie schaut deine Überoutine aus?

Ich bin 2010 zum Studium nach Hannover gezogen, seitdem gibt es so etwas bei mir nicht mehr. Die Übung kommt mit den Bandproben bzw. beim Songwriting und Jammen mit den Bandkollegen. Wir proben zwar ziemlich unregelmäßig, dafür kann ich mit meiner anderen Band (Tentackle) ca. einmal in der Woche üben. Abgesehen vom weiter oben erwähnten “gedanklichen Üben” habe ich noch einen kleinen Spleen: ich übe auch Schlagzeug indem ich mit den Zähnen klappere. Über die Jahre habe ich das anscheinend so verinnerlicht, dass ich nun quasi “offline” bestimmte Parts üben kann und die dann auch besser behalte.

11011112_954551897898535_3813842282925797555_nWie siehst du die Entwicklung der heutigen Schlagzeugproduktionen? Vieles wird gesamplet und quantisiert. Hat das für dich, je nach Genre, Daseinsberechtigung oder findest du es besser, wenn die Drums authentischer daherkommen?

Mich stört das Sampling nicht unbedingt, die Quantisierung eigentlich noch weniger (auch bei uns wird quantisiert). Ich würde mir nur wünschen, dass der Klang ein wenig “natürlicher”, aber vor allem vielfältiger wird. In gewissen Genres klingen die Drums oft ziemlich ähnlich (nicht immer!). Das gilt nicht nur für die einzelnen Schläge (Kick, Snare…) – teilweise kann man Bands nicht mehr anhand ihres Drumsounds auseinanderhalten. Durch einen eigenen Drumsound kann sich eine Band doch viel besser präsentieren! Dass es auch anders geht, haben “The Number Twelve Looks Like You” mit “Mongrel” bewiesen. Das Album wurde ohne Clicktracks, Trigger etc. eingespielt und ist für mich in Sachen Drumproduktion bisher unerreicht. Von der unfassbaren Kreativität und Technik von Jon Karel brauche ich erst gar nicht zu sprechen.

Was sind deine derzeitigen Lieblingsplatten?

Aktuell höre ich viel verschiedenes durcheinander, auch nicht unbedingt ganz aktuelle Alben:
Leprous – Coal (erst vor kurzem entdeckt, in das neue konnte ich noch nicht reinhören)
Raketkanon – RKTKN #2
The Great Wall – The Iron Triangle: Congress
Arcane Roots – Blood & Chemistry
Voyeur’s Kaleidoscope – A Fearful Page in the Record of My Existence

all time favorites:
The Dillinger Escape Plan – Miss Machine
The Number Twelve Looks Like You – Mongrel
Tool – Lateralus

Was gibst du jüngeren Drummern mit auf den Weg, die sich in Richtung Progressive/Mathcore/Experimental bewegen möchten, aber noch einen weiten Weg vor sich haben?

Spielt das, worauf ihr Bock habt, aber bleibt realistisch! Ich hatte das Glück, dass sich meine “Skills” relativ parallel zu meinem Musikgeschmack entwickelt haben. Da ich schon immer versucht habe, die Songs meiner Lieblingsbands nachzuspielen, bin ich sozusagen daran gewachsen. Der erste Song, den ich mir beigebracht habe, war übrigens “Gone Away” von The Offspring.

Danke für das Interview und viel Erfolg mit eurem neuen Album!

Danke!

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Autor: Ronny “Dr.Ronald W.” Garz

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