Hannes Großmann

Obscura

Drumster Interview (GORILLA MONSOON)

15579_468213469881664_1298245340_nHi Drumster,
ihr habt mit Gorilla Monsoon dieses Jahr euer drittes Album veröffentlicht. Die letzte Scheibe lag ganze sieben Jahre zurück. Was war auschlaggebend für diese Pause?

Hi Ronny,
Pause kann man so nicht sagen, es war ja nicht so, dass wir nichts gemacht hätten. Nach der “Extermination Hammer” 2008 haben wir erstmal zwei Jahre gezockt, worunter auch eine Tour mit Disbelief und Lay Down Rotten war. Dann war da der Gitarristenwechsel. Bis wir K.K., den Neuen, gefunden hatten, war schon wieder Anfang 2011. Der musste sich ja auch erstmal das Zeug draufdrücken, dann wieder spielen, spielen. Gleichzeitig haben wir die neuen Songs für “Firegod” geschrieben. Ende 2012 waren wir dann im Studio. Mit Mix und mastern war das Ding 2013 fertig. Der Rest der Zeit ging für die Labelsuche drauf, was wir schließlich 2014 mit Supreme Chaos Records gefunden haben. Also der Besetzungswechsel und die Labelsuche haben die meiste Zeit gefressen. Allerdings waren wir live die ganze Zeit präsent, so dass uns selber die Zeit gar nicht so lange vorkam.

Was darf man 2015 noch von euch erwarten (Festivals, Touring, Videos,…)?

Was die Festivalsaison angeht, die haben wir bißchen verpasst, aber ein paar haben wir noch abbekommen. Das Black Frenzy, Celle Rock City, dann ein kleines Stonerfest in Wien. Dieses Jahr sind es “nur” Wochenendgigs, allerdings sind die sehr gut über das Land gestreut. Sehr gespannt bin ich auf den Gig mit Crowbar in DD-Rock-City am 29.7. in der Chemiefabrik. Eine Tour ist für 2016 angedacht, mal schauen was wir da an Land ziehen können. Genauso verhält es sich mit den Festivals 2016, da werden wir versuchen präsenter zu sein. Es gibt ein Video zu unserem Song “March of the Hellrock inc.” und dann werden wir immer mal ein paar Livedinger veröffentlichen, wenn sie einigermaßen brauchbar sind.

Dein Drumsound klingt für heutige Rock- und Metalproduktionen sehr natürlich und roh, was recht ergiebig für eure Art von Musik ist. Was hälst du von der Entwicklung der heutigen Produktionen, wo vieles gesamplet und quantisiert wird? Alles Fake und Plastik oder je nach Genre legitim?

Oha! Prinzipiell bin ich immer für den “olympischen Gedanken”. Also echter Drumsound, live eingespielt, ungeschnitten. Wenn der Take dann einen kleinen Fehler hat, aber das Feeling stimmt, dann nehme ich den trotzdem. Ich finde die Entwicklung allerdings interessant, die sich über die Jahrzehnte vollzogen hat. Bis zu den 70ern hat die Band meistens ihr Zeug live eingespielt, die Technik hat’s aber auch nicht weiter hergegeben. Außerdem waren die Bands gut eingespielt, da sie sowieso immer unterwegs waren. Ende der Siebziger -glaube ich- wurde es üblich, getrennt einzuspielen. Möglich gemacht durch Mischpulte mit mehr Spuren. Jetzt konnte man das Drum mit mehr als 2-3 Mikros abnehmen, dadurch bekam man es fetter. Mitte der 80er kamen dann die synthestischen Drums auf (Octapads etc.), nicht nur im Pop, auch im Metal. Man höre sich nur die “Fighting the World” von Manowar an. Das macht’s für den Produzenten natürlich einfacher. Der hat fertige Sounds, muss nicht hoffen, dass der Drummer seine Felle stimmen kann und Soundüberschneidungen in den Mikros gibt’s auch nicht. VieleTonengineers mögen das nicht, hab zumindest ich mitbekommen. Nun ja und mit dem digitalen Zeitalter kam dann auch Software für Drumrecordings. Ich schätze viele Produzenten haben gejubelt; Sound stimmt, man kann’s gerade rücken, den zweiten Refrain kopieren wenn der besser war als der erste oder was weiß ich. Das hat den Studiomenschen sicherlich viele Nerven gespart, haha… Auch haben sich dadurch neue Musikstile entwickelt, die durch das Präzise, Machinelle geprägt waren. Für den Metal würde ich da z.B. Ministry, Fear Factory und Meshuggah nennen. Das wiederum hat natürlich eine Rückkopplung, so dass die von diesen Bands beeinflussten Drummer versucht haben, genauso “maschinell” zu spielen. Vielleicht ist deswegen der Metalcore entstanden. Also für bestimmte Genres ist es durchaus legitim, wenn dann live der Drummer das auch bringt, finde ich. Obwohl es da ja auch Hilfe durch triggern gibt (im Sinne von “alle Schläge gleich intensiv”). Andererseits kann man im Studio gesetzte Drums “vermenschlichen” indem man per Knopfdruck das Schlagzeug etwas unsauber macht – quasi verrückt. Und dann gibt es nach einer Weile auch immer wieder Revivals, jetzt ist momentan wieder der siebziger Sound angesagt. Es scheint sich im Kreis zu drehen. Schlussendlich muss die Musik einfach authentisch in sich sein. Was wiederum ein Gefühl ist. Ach über sowas könnt ich ewig schwadronieren.

Was hast du für eine Herangehensweise beim Stimmen der Felle?

Ich nehm ‘nen Tennisball und wenn der auf dem Fell nicht springt ist es tief genug, haha…nee..
Das Fell ist plan drauf und die Stimmschrauben sind handfest. Dann dreh ich’s fest bis das Fell am Rand nicht mehr wellig ist. Nun stimm ich an den Stimmschrauben über Kreuz, so dass an jeder Schraube der Ton gleich ist. Jetzt schraub ich so lange rum, bis mir der Sound -die Tiefe- gefällt. Das Resonanzfell stimme ich ein Fotzenhaar tiefer.

Wie sieht deine Überoutine aus?

Ehrlich? Ich hab keine. Ich bin ein Bandplayer. Wenn ich mir z.B. mal von einer anderen Band Songs draufdrücken muss, hör ich mir die Lieder in Dauerrotation an. Irgendwann spiele ich mit Kopfhörern dazu. Erstmal so, dass ich den Song durchzocken kann. Nach und nach setze ich dann die Feinheiten. So theoretisches Zeug spiele ich aber im Drumunterricht, wenn ich mit meinen Schülern mitspiele. Es gibt aber auch einen ganzen Haufen Sachen, die ich wissen will. Fill ins, Licks, abgefahrene Beats… Das spiel ich dann fast schon mantra-artig bis es geht, ich komme da auch in eine Art meditativen Zustand, den ich sehr genieße. Und wenn ich Zeit über habe, beschäftige ich mich gerne mit Systemdrumming. Aber von einer Überoutine kann man bei mir wirklich nicht reden, da das alles in sehr unregelmäßigen Abständen erfolgt.

Spielst du auch nach Noten oder bist du der reine Improvisations-Typ?

Ich kann Noten, benutze sie aber nur, um mir neues Zeug anzueignen oder für den Unterricht. Ich durchstöber auch gerne Drumbücher und denke mir dann so Sachen wie: Mhm…aha…oh…ach guck… Wenn es aber ums Songwriting geht, spiel ich das, was mir in den Sinn kommt. Oftmals biete ich auch zwei/drei Versionen an und frage die Band um deren Meinung, wenn ich gerade nicht sicher bin, was cooler ist. Das schreib ich dann auch nicht auf. Auch hier entwickelt sich alles durch das ständige spielen des Songs. Selbst wenn das Lied aufgenommen wurde, kann es passieren, dass ich später live immer noch hier und da was ändere, wenn ich es für cooler halte.

Du hast vor einiger Zeit bei Disbelief gespielt. War das nur ein Aushilfsjob oder lagen die Prioritäten dann doch eher bei Gorilla Monsoon?

Disbelief hatten ewig keinen festen Drummer gefunden. Da wir Kumpels sind und ich deren Musik sehr mag, hatte ich gefragt, ob wir’s nicht mal zusammen probieren wollen. Ursprünglich sollte ich nur das neue Album mitschreiben und einspielen. Nach Absprache mit Monsoon, schlug ich vor, doch auch fest einzusteigen und live ebenfalls zu zocken. Ich sah das auch als Herausforderung und als eine neue Erfahrung. Das Drumming ist schon etwas anders als bei Gorilla Monsoon. Mehr Metal, also damit meine ich z.B. durchgängige Doublebass, alles exakt auf Klick etc. Bei Monsoon ist dagegen neben Metal auch viel 70er-Drumming und Jamming drin.
Ich hab dann bei Disbelief drei Songs vorgespielt und dann war ich drin. Das ging auch eine Weile lang gut. Zehn Konzerte oder so. Beide Bands sind aber Livebands, ich musste ständig gucken, dass sich Gigs nicht überschneiden. Das konnte nicht ewig gut gehen. Um die Freundschaft der Bands nicht aufs Spiel zu setzen, trennten wir uns. Ich liebe Monsoon über alles, ich meine das sind heuer 14 Jahre! Wenn sich ein Gig überschnitten hätte, hätt’s eventuell Zank gegeben, darauf hatte keiner Bock.

10411983_854866567883017_3847984215656888098_nHast du derzeit noch andere musikalische Nebenprojekte?

Yupp! Ich spiele seit über einem Jahr noch bei Beissert. Da drücken wir uns momentan ein Liveset drauf. An einer Scheibe wird auch gewerkelt. Ich finds cool, da ich mit Beissert bereits vor Monsoon bei Trojan zusammen musiziert habe. Außerdem war er der erste Sänger bei den Gorillas. Tilo ist ein Hammer-Gitarrist, da kann man einiges anstellen. Zudem zocken da noch Hotte von Risk It und Andy von Deathrite mit. Eine schöne Symbiose der Dresdner Szene, wie ich finde. Auch ist das mit den Gigüberschneidungen hier einfacher zu händeln.

Aufgrund deines musikalischen Werdegangs ist unschwer zu erkennen, dass du eher ein Gefühlsmusiker bist als ein Technikfreak. Findest du, dass durch zu viel Technik am Drumset der Spirit verloren geht und am Ende vieles statisch daherkommt?

Nein, nicht unbedingt. Den Spirit hat man oder eben nicht. Wenn man hinter der Musik steht, die man spielt und alles reinlegt in sein Spiel, kann man auch übelst technisch sein und es fetzt trotzdem. Ich denke da an Gene Hoglan (speziell die “Symbolic”) oder Jens Maluschka von Disillusion, Dave Lombardo, Tomas Haake, Eric Moore oder auch Brann Dailor. Es ist ein Unterschied, ob man unbedingt zeigen will, was man alles kann und damit den Song zerhackt. Oder ob’s den Song tatsächlich aufwertet. Schlussendlich geht’s doch nur um den Song, der muss geil sein. Dafür ist aber natürlich auch Gefühl nötig. Wenn bumm-dasch-bumm-dasch-bumm-dasch eben am besten dazu passt, dann yeah…spiel’s. Und ja! Ich glaube, auch ein Gene Hoglan hat Gefühle beim spielen, er kann’s halt nur nicht so zeigen… haha

Was ist deine persönliche Definition von Groove?

Wenn man sich so richtig schön reinlegen kann. Wenn man genau die richtige Geschwindigkeit zu dem Riff spielt, man quasi aneinander klebt. Wenn automatisch alle anderen mit müssen. So vielleicht. Schwer in Worte zu fassen. Das ist ein Gefühl wo man denkt: “Yeah, Alter! YEAH!”

Was hat deinen Drumstil am meisten beeinflusst?

Zum einen natürlich die Musik mit der ich groß geworden bin. Black Sabbath, Ozzy, Dio, King Diamond, Pantera, Memento Mori. Als Drummer haben mich Recken wie Bill Ward, Cozy Powell, Tommy Aldridge, Scott Travis, Dave Lombardo, Gene Hoglan, Vinnie Appice, Jimmy Bower, Vinnie Paul oder Snowy Shaw sehr beeinflusst, sprich von denen habe ich mir ziemlich viel abgeguckt. Zum anderen all diejenigen mit denen ich über die Jahre Musik gemacht habe und immer noch mache. Da man sich ja gegenseitig beeinflusst. Mein Drumming ist ziemlich riff-orientiert, so dass der Gitarrist durch sein Feeling auch Einfluss auf mein Spiel hat. Über die Jahre kommt es zu einem natürlichen Verständnis. So kann es passieren, dass beim Songwriting mit Jack Sabbath ein Song auch aus einem einzigen Jam heraus entsteht. Der Entstehungsprozess von Codein Commander z.B. hat genauso lange gedauert wie der Song lang ist. Auch bin ich ständig auf der Suche nach neuen Bands, da ich süchtig nach Musik bin. Natürlich höre ich da auch auf die Drummer. Als Schlagzeuger lernt man nie aus!

Wie lauten deine fünf wertvollsten Platten aller Zeiten?

Schwer! Das ändert sich täglich. Ich setze wertvoll einfach mal gleich mit “am meisten gehört”.

Black Sabbath – Vol. 4
Judas Priest – Painkiller
Down – Nola
Death – Symbolic
Hellacopters – Payin’ the dues

Danke für das Interview!

Ich danke!

follow GORILLA MONSOON

 

Autor: Ronny “Dr.Ronald W.” Garz

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