Sebastian Lanser

Panzerballett

Annisokay – Enigmatic Smile (Albumreview)

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Annisokay haben sich 2007 gegründet und waren seitdem alles andere als arbeitsscheu. Die Diskographie weist zwei Demos, eine EP und mittlerweile zwei Alben auf, die sich gut herumgesprochen haben. Mit ihrem recht markanten melancholischen Grundcharakter fahren Annisokay einen Stil, der zwar nicht einzigartig, aber dennoch mit Wiedererkennungswert versehen ist. Des Weiteren halten sie durch stetiges Touren (u.a. mit Callejon, Eskimo Callboy) und qualitativ hochwertigen Musikvideos das Level oben und bleiben dem Stil der modernen Metalkunst treu. Das zweite Album der Band aus Halle schaffte es zumal schon in die Albumcharts auf Platz 68. Produziert wurde das Werk von Joey Sturgis (Emmure, Asking Alexandria, I See Stars…) und William Putney (Suicide Silence, Thy Art Is Murder, Upon A Burning Body,…).

Der erste Eindruck von ENIGMATIC SMILE lässt wenig Spielwitz und Überraschungen vermuten. Wie es aber bei so vielen Produktionen der Fall ist, wäre es eine Schande, dem Album nur ein bis zwei Durchläufe lang Aufmerksamkeit zu schenken und sich ausschließlich dadurch ein Bild zu machen. Nach diversen Forschungsansätzen und diversen Sympathieaufbauten verstecken sich in diesem massenkompatiblen Klanggut ein paar Feinheiten, die der konventionelle Spotify-Suchti eventuell gar nicht zu schätzen weiß. In NAKED CITY finden sich filigrane Breakdown-Drums und kopflastige Hihat Grooves, welche einen rhythmisch komplexen Kontext charakterisieren. SNOWBLIND sticht meines Erachtens am meisten aus der Masse hervor – Sechsachteltakt mit einem genialen Ohrwurm-Refraingesang und stellenweise sogar progressiven Arrangements. Dieses Stück ist eine absolute Empfehlung. Allein jetzt merkt man schon, dass hier Profis am Start sind, die zwar sehr erfolgsorientiert arbeiten, aber nicht ihre Ehre als Musiker außer Acht lassen.

Hinzu kommt das recht dynamische Level, was auf ENIGMATIC SMILE vertreten ist. Ghostnotes, Breaks, interessante Spannungsaufbauten, powerballadeske Ansätze, farbige Drums, groovige Vocals und eine Background-Sample-Library, die nichts anbrennen lässt.

Sportliche Temposprünge, technische Gitarrensoli und infernale Hassbolzen wird man auf dem zweiten Album von Annisokay vergebens suchen, aber bei ihrem Stil würden diese Elemente womöglich auch zweckentfremdet wirken.
Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja solche Gimmicks auf dem nächsten Album, wo bestimmt diverse Kritiker nicht mit dem Wort “Entwicklung” geizen werden.

Für Fans des modernen Metal (clean Vocals, Breakdowns, Ohrwürmer, Herzschmerz-Momente, Arena-Mitsing-Feeling,…) ein guter Kauf. Allen anderen sei dennoch ein Durchlauf empfohlen. Unabhängig vom Geschmack sind hier musikalische Werke auf sehr hohem Niveau komponiert und produziert worden.

Genre: Metalcore / Post-Hardcore / Alternative
Label: SPV
Veröffentlichungsjahr: 2015
Website: www.annisokay.com
Rating: 8/11

 

Autor: Ronny “Dr.Ronald W.” Garz

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