Sebastian Lanser

Panzerballett

GrooVenoM – Viper (Albumreview)

GVM Viper Cover Artwork

Die frühsommerliche Lebenskraft der Rock- und Metalwelt in einem Ohrenschmaus zu bündeln, schickt sich aktuell das Projektduo „GrooVenoM“ an. Mit ihrer neuen Scheibe „Viper“ behauchen sie die Musikwelt nicht nur mit etwas Leben, nein, sie verbeißen sich an der Pulsader der Zeit und injizieren uns ohne Umwege ihr belebendes Groovegift. Bissig kommt schon das schlangenköpfige Artwork des Covers (von Bernth Brodträger, Ex– Belphegor/Bled Dry) daher und verspricht gepaart mit einem kontemplativen Background keinen Deut zu wenig.

Das Album wartet mit einem breiten Spektrum an Klangerlebnissen von klassisch-epischen Rocksongs über einfühlsame Balladen bis hin zu djentig-brutalen Brechern auf und verbleibt trotz experimenteller Vielfältigkeit mit „Ausprobiercharakter“ klar in einem straighten Groovekonzept. Los geht’s ab Sekunde eins mit einem „Herzblut-Song“. Our Life, Our Soul öffnet in einem melodiös getragenen Massiv zunächst schwermütig die Welt der Groovegurus. Doch sinnlich beherzt und zugleich kühl und roh entfaltet sich der Song in einem Wechselspiel von tragenden Gitarrenriffs und abrupt einfallenden Konterparts und gewährt so einen progressiven Einblick in die Höhen und Untiefen des Lebens (der Macher). Mit einer dissonant-sphärischen Gitarrenpartitur konfrontiert uns She must die und gibt der sonst eher klassisch gehaltenen Rockhymne mit ihren melodiösen und zugleich sehr direkten Patterns einen mystischen Touch. Schließlich gipfelt sie in einem verspielten von schwerem Bass und getragenen Drums unterlegten „Gastgitarrensolo“ von Jonathan Schnitzspan (ForTiorI), der sich an dieser Stelle neben dem Sound Engineering von „Viper“ auch an der Klampfe einmal austoben durfte. Der Titelsong Viper stellt im wahrsten Sinne des Wortes das eruptive Epizentrum der Platte dar. Er nimmt die mystisch-energiegeladene Stimmung von She must die auf und verwandelt sie ab Sekunde 50 in einen djentigen Koloss, der das Powerlevel in ungeahnte Höhen wirft. In einer Mischung aus Groove- und Blastbeats, bösartig-brachialen Full-Range-Sounds und verträumten Solopassagen versetzt uns die Viper ihren beherzten Biss. Wer bis jetzt bereits bemerkt hat, dass sich die Nackenmuskulatur gelockert und der Kopf ganz automatisch zu wippen begonnen hat, dem klinkt sich nun jegliche Nackensperre aus und das Groovegift schießt beim Mitbangen ungehindert durch den Körper. Wie diese Auswahl schon zeigt, bleiben auch die folgenden Songs keinesfalls eindimensional. Ob sphärische Halleffekte, Synthy-Keys (Atlantis), oldschool Riffs (Adorable Hell) oder unzählige Permutationen von Mid-Tempo-Groovepatterns – die Songs versorgen unermüdlich mit neuer Energie ohne aus dem Gesamtkonzept zu fallen.
Nach so viel Power betont die Schlussballade GVM noch einmal explizit den melancholischen Aspekt des Duos aus Dresden. Unheimlich gefühlsbetont entlässt uns GrooVenom mit diesem leidenschaftlichen Spiel und gestattet uns zu erahnen, wie die Grooveschlange langsam von dannen zieht, um hoffentlich schon bald wieder zuzuschlagen. Mit ihrem Debutalbum haben die Gebrüder Garz mit Sicherheit einen manifesten Grundstein für ihre weitere musikalische Laufbahn gelegt. Inspiriert von Bands wie Slipknot, Otep, Scar the Martyr, Hatebreed oder Ektomorf, haben sie ihren ganz eigenen Stil vorgestellt. Ein Spannungsgeflecht aus kreativen Gitarrenriffs von ruhiger bis brachialer Observanz, rollenden Bässen, explosiven aber auch kontemplativen Drums fügt sich zu einer facettenreichen Groovemetalkonzeption zusammen. Die kompositorische Hauptleistung ist dabei Titus zuzuschreiben, der mit 14 Jahren noch die vormittägliche Schulbank gegen das Mischpult am Nachmittag tauscht. Wenngleich wir es hier also nicht mit einem alteingesessenen Gitarrengott zu tun haben, kann sich das Ergebnis mehr als hören lassen. Es fällt merklich auf, dass hier ein frischer Geist am Werk war, der den Hörer energiegeladen und reflexionsstimuliert mit neuem Wind in den Segeln wieder aus seinen Fängen entlässt. Auch wenn im musikalischen Gesamtvergleich für hörbare Stilfindung und kompositorischen Feinschliff minimal Abzug erteilt werden müsste, sind GrooVenoM mit ihrem Debutalbum in ihrer eigenen Liga sicher ungeschlagen.

Fazit: absolut höhrenswert!

Anspielempfehlungen: Our Life, Our Soul; Viper; GVM
Rating: 9/11
Genre: modern instrumental Groovemetal
Label: Eigenveröffentlichung (order here)
Website: GrooVenoM

 

Autor: Sapre

Kommentare zum Artikel ausblenden

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>