Torturer

Mor Dagor

Matthias “Seraph” Landes (DARK FORTRESS)

Hallo Matthias, wie geht es dir? Hast du den Jahresabschluss entspannt über die Bühne gebracht oder musstest du deine Kunst zum Besten geben?

Ich hatte keinen Gig an Silvester, allerdings hatte ich noch eine Recording Session bis zum 29.Dezember, was allerdings sehr cool und relaxed war und sehr viel Spaß gemacht hat. Somit war der Jahresausklang durchaus ok für mich.

Ihr nehmt mit Dark Fortress derzeit ein neues Album auf. Wie ist der Stand? Dürfen wir uns wieder auf Experimente wie Clean Vocals, Jazzparts oder ein für Blackmetal in der Regel untypisch facettenreiches Schlagzeugspiel freuen?

Wir sind mit den Aufnahmen für das Album komplett fertig, allerdings konnten wir unsere Deadline für den Mix leider nicht einhalten, weswegen das Album nicht wie geplant im Frühjar erscheinen kann, sondern einige Monate später released werden wird.
Stilistisch gesehen, denke ich, ist das Album wohl das bisher abwechslungsreichste in unserer Karriere, was uns auch sehr wichtig ist, und was wohl mittlerweile auch so eine Art Trademark für Dark Fortress geworden ist. Wir hatten ja schon in der Vergangenheit durchaus mit verschiedenen Einflüssen experimentiert, und dieses Mal sind wir einfach noch einen Schritt weitergegangen, wobei sich natürlich alle Experimente nach wie vor in den Kontext von Dark Fortress einfügen. Und so unterschiedlich manche Sachen auch sein mögen, es ist schlußendlich doch ein sehr homogenes Album geworden. Das gilt natürlich auch für das Drumming, da ist von Bonham oder Stanton Moore-Einflüssen über Massive Attack und modernem R’n’B Drumming hin zu jazzig klingenden Ideen eigentlich alles vertreten. Wobei ich nicht sagen kann, inwiefern all diese verschiedenen Sachen wirklich jemandem auffallen werden, da ich durchaus versuche das ganze eher subtil umzusetzen. Aber mir ist es schon sehr wichtig immer wieder mit neuen Ideen zu arbeiten und neue Sachen auszuprobieren und zu versuchen, eigentlich sehr weit voneinander entfernte Stilistiken miteinander zu vereinbaren. Ich habe dieses Mal auch mehr mit Sounds experimentiert, z.B. habe ich bei manchen Songs statt meiner normalen Meinl Byzance Extra Dry Hihat mit einer 16″ Byzance Traditional gespielt, oder sogar ein 18″ Extra Dry Crash mit einem 18″ Soundcaster Custom Crash als Hihat eingesetzt. Ich habe auch mehrere Snares hergenommen, hauptsächlich eine 13″ Tama SLP G-Maple, aber auch z.B. eine extrem tief gestimmte Tama Starphonic Aluminium für manche Sachen. Mir war Vielfalt in allen Belangen einfach sehr wichtig für das neue Album, und ich bin eigentlich sehr zufrieden mit den Aufnahmen, und selbst schon gespannt auf das Endergebnis…

Sind Tourneen und Festivalauftritte mit Dark Fortress geplant?

Im Moment stehen ein paar Gigs, z.B. das Legacy Open Air im Juni, und alle Termine werden über unsere Facebook-Seite und die offizielle Website www.darkfortress.org bekannt gegeben.
Wir haben natürlich vor das Album live entsprechend zu promoten, aber konkret können wir Tourneen erst wirklich planen, wenn der VÖ-Termin feststeht.

Du spielst noch in der Band ReVamp, wo Floor Jansen, die mittlerweile auch bei Nightwish spielt, die Vocals übernimmt. Ihr habt im August letzten Jahres ein neues Album, namens WILD CARD, veröffentlicht und geht jetzt wieder auf Tour. Kling nach einem prallgefüllten Terminplaner. Besteht dein Alltag momentan ausschließlich aus Dark Fortress und ReVamp?

Schön wär’s, haha. Es stimmt zwar, dass wir mit ReVamp in letzter Zeit viel unterwegs waren und für 2014 auch einige Sachen anstehen (z.B. ein paar Headlinershows in NL und D anfang des Jahres, oder eine US Tour mit Iced Earth ab April), und ich natürlich auch mit dem neuen Dark Fortress Album beschäftigt war, aber ich denke, den Hauptanteil meiner Zeit verbringe ich on the road mit meiner Arbeit als Drumtech für andere Bands (z.B. Rival Sons oder Triptykon). Egal, was einige vielleicht glauben mögen, es ist fast unmöglich mit Metal jeglicher Form finanziell über die Runden zu kommen, und da finde ich die Arbeit als Drumtech eigentlich recht cool.
Ich versuche auch so viele Session Jobs (vor allem für Studioaufnahmen) als Drummer zu bekommen, was stilistisch dann auch von Italo-Pop bis Black Metal reicht, haha.
Somit stimmt es schon, dass mein Terminkalender recht voll ist, aber bei weitem nicht nur mit ReVamp und Dark Fortress.

Du hast Schlagzeug studiert. Wie kann man sich so eine Ausbildung vorstellen? Werktags Uni und danach bis in die Nacht proben?

So ungefähr, ja. Das Studium war ein vierjähriges Vollzeitstudium mit Abschluss als Bachelor of Music, und bestand zumindest die ersten zwei Jahre aus ca. 30 Wochenstunden Uni (von Haupt- und Nebenfachunterricht und Bands über Musiktheorie und Gehörbildung bis hin zu Musikgeschichte, Business oder Pädagogik), und zusätzlich ein paar Stunden pro Tag üben oder mit den Ensembles proben. Für die letzten beiden Jahre sah der Unterrichtsplan vor, daß man mehr und mehr außerschulische Aktivitäten in den Stundenplan miteinbringen muss, was ich auch für sinnvoll erachte, da dadurch vermieden wird, dass man nur alleine im Keller sitzt und übt. Du musst ja schließlich nach dem Studium auch irgendwie Jobs und Beziehungen haben bzw. finden können. Mir kam das auch sehr entgegen, da ich dadurch ohne Probleme z.B. mit meinen Bands auf Tour gehen konnte und dafür sogar noch Leistungspunkte für mein Studium erhielt.

Gibst du regelmäßig Schlagzeugunterricht oder Workshops?

Nein, nicht regelmäßig, da ich dafür einfach zu oft on the road bin. Wobei ich versuchen will, wo es möglich ist, beides zu kombinieren, und auf Tour vielleicht auch nebenbei etwas zu unterrichten. Ich habe das schon ein paar Mal gemacht, und es hat eigentlich immer viel Spaß gemacht. Mal sehen, vielleicht finden sich ja ein paar Interessenten dafür.

Was ist für dich persönlich die Definition von GROOVE?

Das ist ein Thema, dass mich sehr beschäftigt, und ich habe darüber auch meine Abschlussarbeit am Konservatorium in Rotterdam geschrieben. Aber ich denke nicht, dass ich dafür wirklich eine einfache Definition habe, und hohle Phrasen wie “Groove ist, wenn du mit dem Kopf nicken musst” bringen einen auch nicht wirklich weiter!
Ich denke, man kann das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln heraus angehen, z.B. von einer sehr analytischen Sichtweise heraus, indem man sich mit Sound, Dynamik, Timing, Feel etc. beschäftigt und versucht zu erkennen, wie diese verschiedenen Sachen zusammenwirken. Man kann das Ganze auch sehr intuitiv angehen, und einfach zu Alben jammen, die den Groove haben, den man sich gerne aneignen würde, um so das Feel zu verinnerlichen. Oder man wählt einen fast schon “esoterischen” Ansatz, bei dem Groove ein beinahe schon mystisches, nicht greifbares “Etwas” ist, das man entweder hat oder nicht. Vor allem der letzte Ansatz bringt dich allerdings, vor allem in einem pädagogischen Kontext, nicht wirklich weiter, und ich bin auch absolut NICHT der Meinung, dass man Groove nicht lernen oder jemandem vermitteln kann.
Ich persönlich habe die größten Fortschritte mit einer Kombination aus verschiedenen Ansätzen gemacht, vor allem durch analytisches Herangehen und Vergleichen, wie ich spiele und wie z.B. Steve Jordan klingt, wenn er das gleiche spielt, durch das Üben von verschiedenen Konzepten für das Verbessern von (Micro-) Timing und Dynamik, durch das Beschäftigen mit Sound und wie viel Einfluß das darauf hat, wie man einen Groove wahrnimmt, aber auch durch einen wie oben schon genannten intuitiven Blickwinkel und das Jammen zu den unterschiedlichsten Sachen wie Jazz, Motown, Funk usw.
Ich denke auch, dass es nicht unbedingt nur eine Art zu grooven gibt, und dass Groove in verschiedenen Stilistiken auch von verschiedenen Faktoren abhängt, und ich denke, jeder, der schonmal sowohl eine Big Band als auch eine Thrash Metal Band zum Grooven bringen wollte, hat da ähnliche Erfahrungen gemacht… Deshalb finde ich es auch extrem wichtig, sich mit verschiedenen Styles zu beschäftigen und viel verschiedene Musik zu hören, um ein Gespür für diese Nuancen zu bekommen.
Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es auch ein paar sozusagen universelle Faktoren für Groove gibt. Damit meine ich Dinge wie Konzentration, Fokus, Hingabe und Selbstbewusstsein, und Phrasen wie “mean what you play” oder “be aware of what you play” treffen da den Nagel durchaus auf den Kopf. Jemand wie Steve Jordan oder Stanton Moore sitzt nicht hinterm Schlagzeug und denkt “hoffentlich kann ich den Buff Zack jetzt auch gut spielen”, der WEIß einfach, dass er geil klingt und spielt dementsprechend. Und das gilt einfach für alle Genres. Wenn du an dir selbst zweifelst oder du nicht wirklich hinter dem stehst, was du spielst und du abgelenkt bist, dann wirst du das auch ausstrahlen, egal welche Musik du spielst.

Welche drei wichtigen Tipps gibst du Nachwuchstrommlern mit auf den Weg?

Kommt darauf an, was man erreichen will. Wenn du einfach nur Spaß haben willst beim Schlagzeug spielen, dann sollte das auch deine Priorität sein, und das ist auch völlig ok.
Wenn du allerdings vorhast mit Musik dein Geld zu verdienen, dann übe dir den Arsch ab, bedenke dass deine Attitude mindestens so wichtig ist wie deine Fähigkeiten am Instrument (niemand spielt gerne mit Leuten, die er nicht leiden kann), und versuch dir ein Netzwerk aufzubauen. Wenn dich niemand kennt und du niemanden kennst, dann wird es wohl auch schwierig an Jobs zu kommen…

Was war dein Fave-Album 2013?

Ich stelle mit Schrecken fest, dass ich diese Fragen nicht wirklich beantworten kann. Ich habe zwar viel Musik gehört und mich auch viel in für mich neue Musik eingehört, aber ich habe dabei überhaupt nicht drauf geachtet, ob das jetzt neue oder alte Sachen waren… Somit muss ich leider passen, sorry. Das beste Konzert 2013, und vielleicht sogar überhaupt, war für mich allerdings Sigur Ros in München. Absolut spektakulär, was die da gemacht haben… Und dabei fällt mir gerade auf, dass ich deren 2013er Album gar nicht angehört habe. Vielleicht wär das dann ja mein Fave, haha.

 

 

Autor: Ronny Garz

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