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Paul Seidel Interview (THE OCEAN / WFAHM / DIORAMIC)

Hallo Paul,
die meisten werden dich von der Mathcore Band WAR FROM A HARLOTS MOUTH kennen.
Desweiteren bist du bei WASSBASS, DIORAMIC und ganz frisch auch bei THE OCEAN tätig.
Kannst du uns deine Bands kurz vorstellen, damit wir ein Bild von deiner gut gebuchten Zeit als Musiker bekommen?

Hallo Ronny! Richtig, die meisten werden mich sicherlich durch WAR FROM A HARLOTS MOUTH kennen, bei denen ich seit 2006 hinterm Schlagzeug sitze. Da wir allerdings zu Ende des Jahres 2013 einePause auf unbestimmte Zeit einlegen und ich auf lange Sicht einfach gerne weiterhin viel aktiv sein möchte, bin ich noch in weiteren Bands tätig. Bei WASSBASS ergänze ich seit 2011 punkig elektronische Musik mit Live Drums und habe ein Album eingespielt. Das ist eine ganz andere Erfahrung, da ich live mal auf Klick spiele und natürlich möglichst tight mit den elektronischen Sounds harmonieren muss.

Seit Anfang 2013 bin ich auch bei DIORAMIC tätig und teile mir dort momentan den Drummerposten mit Moritz Müller. Wir sind quasi für den vorherigen Drummer eingesprungen, da der jetzt als erfolgreicher Produzent durch die Welt tingelt. Auf lange Sicht werde ich wohl auch bei DIORAMIC als fester Teil der Band aktiv sein. Momentan wird das neue Album gemischt und gemastert und wird hoffentlich bald veröffentlicht. Des Weiteren werde ich ab Anfang 2014 Schlagzeuger bei THE OCEAN und freue mich schon aufs nächste Jahr. Ein paar interessante Touren und Festivals stehen schon an, die ich leider jetzt noch nicht verkünden darf.

Wie hat es mit dem Schlagzeugspielen bei dir angefangen? Was war dein Schlüsselerlebnis?

Ich habe durch meinen Vater schon sehr früh angefangen Musik zu machen. Wir haben immer viel gesungen und ich habe relativ jung begonnen Klavierunterricht zu nehmen. Der Lehrer war allerdings von der alten Schule und

wollte, dass ich 4 Stunden täglich übe, um seinem Anspruch zu genügen. Man bedenke ich war ungefähr 6 oder 7 Jahre alt. Daraufhin habe ich mich an der Gitarre probiert und später in meiner ersten Band als Sänger
angefangen. Da es in dieser Konstellation nicht so richtig funktionierte, habe ich mich hinters Schlagzeug gesetzt und erinnerte mich plötzlich daran, wie ich am Schlagzeug saß und Beats spielte, obwohl ich noch keinerlei Trommelerfahrung hatte. Somit war der Knoten geplatzt und ich hatte mein Trauminstrument gefunden. Das war sicherlich mein Schlüsselerlebnis.

Du bist, was Musikstile angeht, sehr vielseitig. Was hat dich in den letzten Jahren am meisten diesbezüglich inspiriert und vor allem motiviert so ein breites Spektrum zu bedienen?

Ich habe vor circa 3 Jahren selbst noch einmal angefangen Unterricht zu nehmen bei Mario Würzebesser, welcher Professor am Jazzinstitut in Berlin ist, da ich einfach wieder ein bisschen Input brauchte und das Gefühl hatte auf der Stelle zu treten. Wir haben dann zusammen geschaut, was man verbessern kann (und sollte) und ich habe mich sehr zeitintensiv mit entspanntem Spielen beschäftigt. Viel Jazz, viel Groove, einfach „laid back“ und auch im „Shuffle“.

Mein Musikgeschmack ist grundsätzlich sehr breit gefächert und ich höre eigentlich alles, solange es eigenständig und interessant ist. Vom Jazzdrumming war ich schon immer sehr angetan, aufgrund des neuen Inputs allerdings besonders motiviert, da hier einfach die Wurzeln der Rhythmik liegen. Moderne Gruppen wie z.B. „The Cinematic Orchestra“ oder der Künstler „Bonobo“, die Groove und Melodie perfekt in Harmonie bringen, habe ich zum Beispiel besonders lieben gelernt.

Auf deiner Webseite bietest du noch professionellen Schlagzeugunterricht an. Bei vier Bands
und der Tätigkeit mit anderen dein Wissen zu teilen, bleibt bestimmt keine Zeit für andere
Hobbies oder gar einen anderen Beruf, oder?

Man kann schon sagen, dass ich Berufsschlagzeuger bin, denn ich verdiene mein Geld hauptsächlich mit dem Unterrichten und den Bands, in denen ich spiele. Ich bin allerdings momentan auch noch in einer großen Eventlocation in Berlin tätig und kümmere mich um Konzertkarten und Telefonanfragen. Grundsätzlich bin ich sehr glücklich mit dem, was ich tue, ich würde allerdings sehr gerne wieder schwimmen gehen, aber das ist mit meinem kaputten Arm etwas schwierig.

Du gibst auf dem 4.EXTREME DRUMMERS UNIVERSE FESTIVAL (5.April 2014 / Leipzig)
einen Workshop, der sich mit dem Thema „Progressive Fill-Ins“ beschäftigt. Wenn man bedenkt, in welchen großartigen Bands du spielst, wird das bestimmt eine sehr interessante Show werden. Hochspannendes gepaart mit optischer Würze. Auf was genau dürfen wir uns freuen?

Ich war schon immer ein großer Fan von markanten Fill-Ins, die bestimmte Songs definieren oder Trademark eines bestimmten Drummers sind. Demnach möchte ich ein bisschen aufschlüsseln, welche Herangehensweisen ich im Songwritingprozess an den Tag lege und sowohl im Songkontext als auch „out of the box“ ein paar Beispiele aufzeigen. Viele Drummer fühlen sich gerade in Bezug auf Fill-Ins ein bisschen hilflos und greifen letztlich auf die immer gleichen „Phrasen“ zurück, um auf Nummer sicher zu gehen. In der Hinsicht werde ich mit kreativen Ansätzen Abhilfe schaffen.

Wie schauen deine Pläne für die nächsten Jahre aus?

Ich werde natürlich weiterhin viel mit meinen Bands zu tun haben, mich kreativ ausleben, auf Tour gehen und das eine oder andere Album schreiben. Mein Wunsch ist es, irgendwann auch mal ein Soloprojekt zu starten, da ich mich abgesehen vom Schlagzeug auch in melodischen und gesanglichen Gefilden sehr wohl fühle. Hier sehe ich definitiv noch Raum und Potenzial. Des Weiteren werde ich in Zukunft auch meine „Lehrtätigkeit“ ausweiten, vielleicht bringe ich auch mal eine DVD oder ein Buch heraus. Spaß daran habe ich allemal und die gewisse Motivation fehlt mir zumindest auch nicht, haha…

Was ist momentan dein Album des Jahres?

Puh, das ist aber schwer zu beantworten. Das Jahr 2013 hat bisher wirklich einige monumentale Kracher hervorgebracht, da kann ich mich sehr schwer entscheiden. Deswegen hier mal ein paar meiner Favoriten:

Gorguts – Colored Sands
Karnivool – Asymmetry
Nine Inch Nails – Hesitation Marks
Ulcerate – Vermis
The Old Wind – Feast On Your Gone
Bonobo – The North Borders

Dein wichtigster Übungstipp für deine Schüler oder Drumming-Fans?

„Geduld ist eine Tugend“ lautet hier das Motto. Beschäftigt euch zum Beispiel intensiv mit Rudiments, lernt sie auswendig, bringt sie beim Spielen am Drumset ein und versucht kreativ zu werden. Es gibt tausend Möglichkeiten, Schläge und Rhythmen zu variieren und zu kombinieren. Deshalb sind uns (abgesehen vom Körperlichen) keine Grenzen gesetzt! :) Außerdem: Probiert doch mal alle Dinge die ihr könnt, halb so schnell oder halb so laut zu spielen, ihr werdet merken, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, wie es scheint. ;)

 

Autor: Ronny Garz

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