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Julia Zimmer Interview (ME AND THE GRAY)

Hallo Julia, 
die Realität zeigt leider, dass das Schlagzeugspielen eine eher männerlastige Domäne ist. Vorallem in den härteren Reihen. Es freut uns natürlich immer wieder zu sehen, dass es da draußen in dieser kurzlebigen Welt noch Ladies gibt, die sich leidenschaftlich und interessiert mit der Trommelkunst auseinandersetzen. Sei es als Youtube- Junkie, als Eventbesucher oder gar selber als Drummer-Girl!

Was war dein Schlüsselerlebnis, wo du dir sagtest: Verdammt nochmal… das ist es!

Genauer genommen begann meine Leidenschaft für Musik mit dem Gitarrespielen und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als ich auch die Rockmusik für mich entdeckte. Mich haben die treibenden Riffs einfach so sehr gepackt und fasziniert, dass ich das unbedingt auch selber spielen können wollte. Schnell fand sich meine erste Band, doch als nach 2 Jahren die Schlagzeugerin ausstieg, entschloss ich mich dazu, mich übergangsweise hinter die Trommeln zu setzen (motiviert durch meine Erfolgserlebnisse am E-Drum von Guitar Hero… ;-) ). Dieser Moment, zum ersten Mal am Set mit der Band zu spielen, war mein persönliches Schlüsselerlebnis.

Derzeit spielst du in der experimentierfeudigen Post Rock Band namens: „me and the gray“. Seit wann bist du mit den Leuten unterwegs und wie ist dein Stand in der Band. Bist du am Songwriting mitbeteiligt oder hälst du dich eher zurück und „begleitest nur“ ?

Ich bin im Januar 2013 bei „me and the gray“ eingestiegen und damit ein relativ frisches Bandmitglied. Natürlich gab es vor meiner Zeit schon ein relativ umfangreiches Repertoire an Songs, die es erstmal zu üben galt. Sehr erfreulich war für mich, dass meine Bandkollegen offen für Veränderungen waren und ich nicht stur die Ideen meines Vorgängers covern sollte. Dadurch konnte ich eine eigene Note in die bestehenden Songs mit einbringen. Mittlerweile arbeiten wir auch an neuen Ideen und die entstehen zum Großteil im Proberaum beim Jammen. Grundlage ist oft ein Riff oder Beat, den jemand mitbringt – an der Entstehung des kompletten Songs ist dann aber jeder mit beteiligt. Das ist auch der Grund, warum mir die Band so am Herzen liegt. Es steckt einfach sehr viel von jedem Einzelnen in den Songs drin.

Bist du noch in anderen Projekten tätig oder sind welche geplant?

Bis vor kurzem hatte ich noch ein Coverband-Projekt, mit dem ich die Möglichkeit hatte, sehr viel Live-Erfahrung zu sammeln. Leider haben sich mit der Zeit die Ziele jedes einzelnen in zu unterschiedliche Richtungen bewegt, wodurch wir vor wenigen Wochen beschlossen haben, das Projekt aufzulösen. Prinzipiell wäre ich nun auch wieder für ein Zweitprojekt offen. Tief in mir schlägt mein Herz für Progressive Rock – vielleicht ergibt sich in dieser Richtung mal wieder etwas.

Was sind derzeit deine Schwerpunkte bei deiner Überoutine?

Zur Zeit übe ich hauptsächlich Sachen, die für meine Band relevant sind. D.h. wenn ich eine Idee im Kopf habe, diese aber nicht sauber, groovig oder in meinem Wunschtempo spielen kann, übe ich dann genau diese Grooves. Besonderer Schwerpunkt liegt dabei bei der Doppelfußmaschine, weil ich merke, dass ich da oft an meine Grenzen komme. Sinnvoll für routiniertes, grooviges Spiel ist es meiner Meinung auch, sich anspruchsvolle Songs zu suchen und zum Song mitzuspielen, um sich einfach auch mit dem Stil anderer Drummer zu beschäftigen und sich davon inspirieren zu lassen. Deshalb ist auch das oft Bestandteil meines Trainings. Und zu Hause, wenn das Set grad nicht greifbar ist, wird regelmäßig das Pad genutzt, um die Hände fit zu halten.

MEYTAL COHEN, eine der wenigen Rocker-Damen, die ihr Schlagzeugtalent bei Youtube präsentieren und eine Menge positives Feedback ergattern. Was hälst du von ihr? Planst du auch Drumvideos für die Öffentlichkeit?

Meytal Cohen ist für mich der Beweis schlechthin, dass das Schlagzeug längst nicht mehr „Männersache“ ist. Bei Frauen besteht ja oft das Vorurteil, sie würden zu zaghaft spielen. Umso wichter ist, dass ein paar talentierte Powerfrauen das Bild mal gerade rücken und zeigen, dass sie bei fetten Metalriffs vielen Herren sogar die Show stehlen.

Den Gedanken, an Drumvideos zu arbeiten, hatte ich schon öfter mal. Allerdings steht zur Zeit die Single-Performance bei mir nicht im Vordergrund. Ich bin lieber zusammen mit den Bandkollegen im Proberaum und arbeite langfristig an einem Video mit der Band, als mich allein im Proberaum einzuschließen. Wenn mal wieder Phasen kommen, in denen das Thema Band weniger Zeit in Anspruch nimmt, ist der Reiz auf jeden Fall da, sich an ein paar Drumvideos zu versuchen.

Kannst du dir vorstellen hauptberuflich als Schlagzeugerin zu arbeiten?

Auch, wenn die Musik und das Trommeln eine große Leidenschaft von mir ist, muss ich diese Frage verneinen. Meine Befürchtung ist, dass Musik zu sehr zum Zwang wird, wenn man darauf angewiesen ist, davon zu leben. Ich werde nächstes Jahr mein Studium beenden und dann einen spießigen, normalen, bodenständigen, sicheren Job haben, der mir ein halbwegs sorgenfreies Leben ermöglicht. Und die Vorzüge der Musik kann ich nebenbei ja trotzdem noch genießen.

Was gibst du den Mädels da draußen mit auf den Weg, die mit der Trommelkunst liebäugeln, sich aber noch nicht „trauen“ endlich loszulegen?

Mädels – haut rein! Im Ernst, mit dem Trommeln zu beginnen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Die Erfahrung, dass es Frauen am Instrument schwerer haben und von Kerlen nur blöde Sprüche kommen, habe ich nie gemacht. Im Gegenteil… Leider ist die weibliche Fraktion immer noch in der Unterzahl, wodurch eine Lady an den Drums immer wieder ein Hingucker ist.

Welche/r Schlagzeuger/in hat dich in letzter Zeit am meisten inspiriert?

Als ich mit dem Trommeln begonnen habe, habe ich zeitgleich die Band „Porcupine Tree“ für mich entdeckt. Dadurch spielt der Drummer der Band – Gavin Harrison – eine besondere Rolle in meiner Musikwelt. Sicher gibt es wahnsinnig viele beeindruckende Schlagzeuger, aber so sehr wie Gavin hat mich nie wieder jemand gefesselt. Ich steh´ nicht so sehr auf übertriebenes Gefrickel, das eh kein Mensch mehr nachvollziehen kann – nach dem Motto, 4 verschiedene Taktarten parallel spielen, aber wo bleibt da der Groove? Gavins Spiel kann man irgendwie nachvollziehen und dennoch ist es so verdammt anspruchsvoll, dynamisch, groovig…

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Ronny Garz

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