Krimh

Hackneyed – Carnival Cadavre (Albumreview)

Hackneyed häckselt Halunken

Endlich volljährig begibt Hackneyed sich wieder zurück auf die Spielwiese der anderen Art und weiß zu entzücken. Nachdem Nesthäkchen Devine sich nun offiziell ein Tannenzäpfle genehmigen darf, wartet die Band mit ihrer neusten Scheibe auf und lässt das Volksfest zum apokalyptischen Metzelwettstreit werden. Mukke die Eier kriegt, ist immer gefragt! Nicht das Hackneyed nicht auch schon vor dieser Scheibe ordentlich gerummst hätten – mit „Carnival Cadavre“ jedoch geht die Truppe frisch wie eh und je ans Werk und lassen so manchen Unterkiefer auf dem Boden zerbersken. Gegen Tiefschläge scheinen die gebürtigen Abtsgmünder imun zu sein. So präsentiert das Quintett unter neuem Label und mit Neubesetzung Tini am Langholz eine stark verdichtet produzierte Platte. Mit wunderbar fies gerolltem „R“ und dreckiger Horrorlache wird der Vorhang heruntergerissen und man findet sich inmitten eines thrashigen Midtemporiffs auf dem Festplatz wieder. Der erste Eindruck kommt schleppend und brutal daher. Mit „Damn (You´re Dead Again)“ findet sich eine erste Neuerung – ein frickeliger Einstiegspart erinnert an Gojira und lässt Tech-Deather-Herzen höher schlagen. Ein zweiter Vergleich lässt sich unweigerlich nicht vermeiden. Stimmlich wie immer recht versiert schafft Grunzer Phillip eine eindrucksvolle Atmosphäre, die in Teilen stark an Disbelief auf der Navigatourplatte erinnert. Kein Laken bleibt unbefleckt als sich das Stockgewitter „Marculate Conception“ aus den Tiefen erhebt, um dem Album einen ordentlichen Geschwindigkeitsschub zu verpassen. Gespickt mit halsbrecherischen Breaks wird man von einstürmenden Klangtiraden förmlich überrollt. Über „Coulrophobia“, „Circus Coccus Spirilly“, „Magic Malignancy“ und „Feed the Lions“ steigt noch einmal signifikant der experimentelle Charakter und ergießt sich in herzzerreißenden Soli und tödlichen Grooves um schließlich noch einmal vier wirkliche Brüllersongs vorzubereiten. Bei „Cure the Obscure“ wird schnell unklar, wie bei dieser Geschwindigkeit auch nur im Entferntesten etwas geheilt werden soll. Aufschluss darüber könnte das für Hackneyed schon nahezu episch anmutende letzte Drittel des Songs, welches ungewohnt harmonisch und ruhig gehalten ist, geben. Entgegen aller Erwartung stampft direkt im Anschluss „Holy Slapstick“ tief mürrisch vor sich hin und verteilt, vor allem gesanglich, heroische Kinnhaken, mit welchen sich das Circus-Konzept vorerst verabschiedet. Einmal in Bewegung gebracht lässt sich der Banger-Kopf jedoch nicht so schnell beruhigen und bekommt mit einer etwas helleren Produktion in „Extra Terroristical“ und „Standing Necrovation“ als würdigen Endsongs die Möglichkeit sich auch die letzten Fasern vom Hals zu fetzen. Dies scheint auch der Hackneyedcrew bewusst zu sein und so geben sie mit einem letzten Hiddentrack Zeit zu entspannen, um sich erneut in die Fänge des brutal Carnival begeben zu können.

Gesamt betrachtet bietet sich uns hier der Genuss eines wirklich souveränen Albums! Innovativ und brachial zeigt sich Hackneyed aufgeblüht und scheint vermitteln zu wollen, dass „Carnival Cadavre“ für den Stil der Abstgmünder bürgen wird und noch einige Leckerlis zu erwarten sind. Einen winzigen Abzug gibt es meinerseits nur für das Herz der Gewitterbude. Trotz massiger Samples unterstützt der Snaresound Tims gute Schlagführung stellenweise nur mäßig, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Der Spaß am Komponieren ist jedoch deutlich zu hören und so hat sich die Mühe für die fünf erneut gelohnt.

„Ohne Kompromiss nach vorn“ – so wünscht man sich durchtriebenen Deathmetal!

Anspieltipps: Damn (You´re Dead Again); Marculate Conception; Standing Necrovation

Rating: 9/11

Genre: Tech-Deathmetal
Label: Lifeforce Records
Veröffentlichung: 22. August 2011
Website: Hackneyed

 

Autor: Sapre

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